argumente

Arbeitsbedingungen in Deutschland mit Spitzenwerten

Mit ihrer Kampagne „Gute Arbeit“ versuchen die Gewerkschaften neue arbeitsrechtliche Regulierungen zu erreichen, z. B. eine Anti-Stress-Verordnung oder einen weiteren Ausbau der Mitbestimmung. Befremdlich dabei ist, dass zur Legitimation der eigenen Forderungen die Arbeitsbedingungen in Deutschland bewusst negativ-verzerrend dargestellt werden.

Fakt: Die Arbeitsbedingungen sind sehr gut.
  • Die Arbeitssicherheit hat ein sehr hohes Niveau: Im Bereich der gewerblichen Wirtschaft konnte sowohl die Zahl der Arbeitsunfälle insgesamt als auch die Unfallquote (Arbeitsunfälle je Arbeitsstunden) seit 1991 halbiert werden.
  • Arbeit hält fit: Beschäftigte sind deutlich gesünder als Arbeitslose. Empfänger von Arbeitslosengeld I haben laut BKK Gesundheitsreport 2016 im Jahr 2015 mit 24,5 Krankheitstagen den mit Abstand höchsten Krankenstand aller Versichertengruppen (Pflichtversicherte Beschäftigte: 17,1 Tage). Zudem befand sich der Krankenstand der Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung 2017 mit 4,2 % auf einem niedrigeren Niveau als zur Zeit der Einführung der Lohnfortzahlung (1970: 5,6 %). Die Zahl der Beschäftigten, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ist seit 1995 um über 40 % zurückgegangen (gemessen am Rentenzugang wegen verminderter Erwerbsfähigkeit 2017). Hinzu kommt, dass Deutschland mit 1.666, Stunden bei der tariflich vereinbarten Jahresarbeitszeit – unter Berücksichtigung des bezahlten Urlaubs und der gesetzlichen Feiertage – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 1.714 Stunden liegt (Eurofound, 2018).
Fakt: Die Beschäftigten sehen ihre Arbeitssituation sehr positiv.
  • Entgegen anders lautender Behauptungen sehen die Beschäftigten ihre Arbeitssituation sehr positiv. Eine repräsentative Befragung von Erwerbstätigen durch gesetzliche Kranken- und Unfallversicherungen „iga-Barometer“ aus dem Jahr 2016 zeigt: Für 71 % der Befragten hat ihre Arbeit einen hohen Stellenwert und 74 % macht ihre Arbeit Spaß. 60 % gaben an, dass die Arbeit ihnen Anerkennung einbringt.
  • Dementsprechend verzeichnet Deutschland auch international Spitzenwerte bei der Arbeitszufriedenheit. Laut European Working Conditions Survey von 2017 sind fast 90 % der hier befragten Beschäftigten mit ihrer Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Deutschland liegt somit über dem EU-Durchschnitt (86 %). Und 91 % der Beschäftigten bestätigen einen fairen Umgang mit ihnen.
  • Auch die 2018 veröffentlichte gemeinsame Längsschnittstudie die „Arbeitszufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg“ vom Bundesarbeitsministerium und vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) belegt das hohe Engagement gerade auch des Mittelstands, durch ein mitarbeiterorientiertes Personalmanagement Arbeitsqualität und -zufriedenheit weiter zu steigern.
  • Nicht zuletzt ist der Anteil der zufriedenen oder sehr zufriedenen Beschäftigten in Deutschland seit 1995 unverändert hoch. Ursächlich dafür ist die sehr gute Qualität der Arbeit. Von einer vielfach behaupteten Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in Deutschland kann also keine Rede sein.
Irrtum: Für die Gesundheit der Beschäftigten wird nichts getan.
  • Der finanzielle Aufwand der Unternehmen für Prävention und Gesundheitsschutz ist erheblich: von den insgesamt 11,7 Mrd. €, die im Jahr 2016 insgesamt für Prävention eingesetzt wurden, brachten die Betriebe rd. 5 Mrd. € und damit über 40 % der Gesamtsumme auf.
  • Die allein von den Arbeitgebern finanzierten Berufsgenossenschaften sind sehr aktiv, um Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren vorzubeugen: durch Beratung und Überwachung der Betriebe, durch Fortbildungsangebote sowie durch Kampagnen. 2018 haben sie rd. 1,2 Mrd. € für die Prävention ausgegeben. Die Präventionsausgaben der Betriebe sind sogar noch um ein Vielfaches höher, da die eigentlichen Kosten für konkrete Arbeitsschutzmaßnahmen in den Unternehmen entstehen.
  • Die gesetzliche Krankenversicherung hat im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung im Jahr 2017 17.672 Betriebe betreut und Maßnahmen u. a. zu den Themen Reduktion körperlicher Belastung, gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung, Stressmanagement, gesundheitsgerechte Gemeinschaftsverpflegung und Aufklärung über Genuss- und Suchtmittel durchgeführt.
  • Um die Verantwortung ihrer Beschäftigten für die eigene Gesundheit zu stärken, bieten immer mehr Unternehmen ihren Beschäftigten im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung Beratungs- und Hilfsangebote an. Die breite Palette der Maßnahmen reicht von Aufklärungsaktionen zu Sucht über Entspannungstraining bis zu Führungskräfteseminaren und gesundheitsgerechter Mitarbeiterführung. Seit Januar 2019 wird dieses Engagement allerdings unnötig durch Änderungen im Lohnsteuerrecht ausgebremst.
Fakt: Eine Eigenverantwortung der Beschäftigten für ihre Gesundheit bleibt.
  • Arbeitgeber können letztlich jedoch nur im begrenzten Rahmen Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten übernehmen. Arbeit nimmt zwar einen großen Teil des Lebens ein. Die überwiegende Zeit verbringen Beschäftigten jedoch privat - was der betrieblichen Gesundheitsförderung Grenzen setzt. Um gesund zu bleiben, ist also Eigenverantwortung und Selbstfürsorge notwendig. Dies gilt auch deshalb, da immer mehr Beschäftigte verstärkt Möglichkeiten wünschen, selbstverantwortlich Entscheidungen zu treffen, ihren Arbeitsalltag zu planen und über die eigene Arbeitszeit zu entscheiden (BAuA, 2017; 2018). Als Folge daraus wächst jedoch auch die Pflicht zur Selbstfürsorge bei der Arbeit, wie Teilnahmen an betrieblichen Gesundheitsangeboten oder eine gesunde Pausengestaltung, um Überforderungen zu vermeiden.

    Arbeitszufriedenheit in der Europäischen Union im Vergleich

    Anteil der zufriedenen oder sehr zufriedenen Beschäftigten, in %
    Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2017 (Daten von EWCS 2010 und 2015)

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    Ansprechpartner

    BDA | DIE ARBEITGEBER
    Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

    Arbeitsmarkt
    T +49 30 2033-1400
    April 2020